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Big SEO in Japan

6. Februar 2011

(Der Titel des Blogposts bezieht sich auf diesen Song von Alphaville aber natürlich geht es „nur“ um SEO für japanische Webseiten 😉 )

Ist SEO in Japan nun anders oder nicht?

Fangen wir mit einfachen Dingen an:

Wer dominiertdie Suche in Japan?

Compete.com zeigt, dass Google Japan etwa halb so viel Reichweite hat wie Yahoo in Japan.

Wenn man die Verläufe anschaut, scheinen beide Suchmaschinen einen eher abnehmenden Trend zu haben. Kann imho eher nicht der Fall sein. Compete ist ja leider außerhalb Amerikas auch eher nicht so das wertvollste Werkzeug.

Alexa zeigt in der Zweijahresbetrachtung einen leicht abnehmenden Trend für Yahoo.co.jp und einen leicht ansteigenden Trend für Google.co.jp

SEO in Japan. Suchmaschinenoptimierung auf japanisch - japanischer markt suchmaschinen

Google scheint laut dieser Statistiken etwas mehr als halb so groß wie Yahoo Japan. ABER! Wenn man sich die Liste der Reichweitenstärksten japanischen Websites laut Alexa anschaut dann sieht man noch weitere Domains von Google:

Youtube.com und Google.com werden durchaus auch intensiv genutzt in Japan. Klar ist, auch die Alexa Zahlen sind nicht perfekt sondern überschätzen tendenziell die Arten von Websites die von SEOs und Webmastern genutzt werden aber immerhin schon wieder ein ganz anderer Blickwinkel.

Bei Klaus von At-Web konnte man diese auf Comscore Daten basierdende Statistik finden.

marktanteile suchmaschinen japan

Da sieht man euch deutlicher als in den obigen Charts, dass Google Yahoo ordentlich nah an den Fersen ist.

Da kommt ein für den Nicht-Japaner ungewohntes Logo vor, nämlich das von Rakuten.co.jp

Rakuten

Rakuten ist nicht, wie von einigen SEOs vermutet, ein lokaler Wettbewerber im Suchmaschinenmarkt. Vom Geschäftsmodell her ist es eher so etwas wie Tradoria oder Hitmeister aber für die Bedeutung des eCommerce in Japan ist es so wie eBay und Amazon zusammengenommen in Deutschland – mal so pauschal gesagt, damit man es sich besser vorstellen kann. Also es ist ein Marktplatz in dem die Angebote vieler Händler gepoolt werden. So wie die Telekom in Deutschland ein bis zwei Prozent der Suchen hat, weil sie der größte Internetzugangsprovider ist, so hat eben Rakuten ca. 2 % der Suchen in Japan. Oben in der Alexa Top Reichweiten Liste ist Rakuten ja auch deutlich zu sehen / finden.

Das nächste Element der Geschichte bringt noch mal eine ganz andere Wendung. Yahoo Japan ist unabhängig. Es gehört nicht komplett zu Yahoo Inc. Sondern der größte Shareholder ist SoftBank. Softbank ist eine der 100 größten japanischen Firmen und aktiv in Bereichen wie Medien, Breitband, eCommerce, Internetzugang, Telefonie, Technologie Dienste aller Art, Finanzdienstleistungen und und und. Ein wirkliches Neue-Medien-Konglomerat. (Hier die englischsprachigen Investor Relations Seiten von Yahoo)

Größte Anteilseigner von Yahoo Japan

Firmenname Anteile Prozent von
allen ausgegebenen Aktien
SOFTBANK CORP. 21,714,264 37.36%
Yahoo! Inc. 20,215,408 34.78%
SBBM Corp. 2,646,609 4.55%
Japan Trustee Services Bank, Ltd. 835,130 1.44%
The Master Trust Bank of Japan, Ltd. 675,581 1.16%
STATE STREET BANK AND TRUST COMPANY 523,862 0.90%

Und nun der Clou. Im Gegensatz zu Yahoo Inc. die von der Suchmaschinentechnologie auf die von Bing umsteigen, entscheidet sich Yahoo Japan dafür auf die Suchtechnologien von Google zu setzen. Das gilt natürlich nicht nur für die Suchmaschinentechnik sondern auch für die Vermarktungstechnologiene sprich Adwords / Adsense! Interessanter Weise kam bisher nichts negatives von Kartellbehörden. Schon in der Pressemeldung um diese strategische Partnerschaft gibt es einen Absatz der präventiv bestätigt, dass es keine kartellrechtlichen Bedenken gibt. Der Vertrag geht über 10 Jahre (erstaunliche Zeiträume wenn man bedenkt seit wann Google eine relevante Rolle spielt) und die Argumentation warum man diesen neuen Partner gewählt hat ist „um 100te Millionen von Dollar zu sparen“. Seltsam. Meine Intuition wäre dass man eher mehr verdienen möchte aber nun gut.

Schön finde ich noch folgendes Zitat aus dem Reuters Artikel (das ich versuche mal so aus dem Stehgreif zu übersetzen)

Dieser Deal gibt Google nahezu 100% aller bezahlten und unbezahlten Suchen. Es bedeutetet dass der Suchmarkt in Japan ohne Wettbewerb sein wird und Google letztendlich alle Suchdaten von Privat- und Geschäftsleuten kontrollieren wird.

Microsoft soll sich scheinbar bemühen hier Kartellrechtlich vorzugehen. (Amüsante Ironie des Schicksals irgendwie wenn man bedenkt wie oft Microsoft selbst gegen das Kartellrecht verstoßen hat.) Bisher habe ich von der Microsoft Ecke da aber nichts neues gelesen. Allerdings hat o.g. Rakuten im Oktober 2010 angestoßen dass die Kartellbehörden den Fall noch mal anschauen.

Schön politisch vorsichtig auch die Aussage vom Sprecher von Rakuten (was ich mal versuche zu übersetzen)

Die Partnerschaft verdient eine vorsichtige Abwägung/Untersuchung ob sie die Wachstumsmöglichkeiten der gesammten Internetbranche negativ beeinflussen könnte.

Also Essenz des Artikels bis hier. Nein, in Japan ist im Bereich SEO nicht alles anders weil Yahoo die größte Suchmaschine ist. In Wahrheit ist das doch wieder ein weiterer Markt in dem man sich was Suchmaschinenoptimierung angeht komplett auf Google konzentrieren kann und den Rest getroßt ignorieren darf.

Noch ein „spezielles“ Element gibt es natürlich dann doch. Die zauberhaft ungewöhnliche Sprache mit den vielen besonderen Zeichen. Dreielerei Schriftsätze gibt es in Japan. Der erste und wichtigste Sprache besteht aus 8000 (aus China „importierten“) Schriftzeichen. Jedes Zeichen ist ein Wort und das ist die Basis. Diese wird ergänzt durch Hiragana – eine Lautschrift die insbesondere für Eigennamen verwendet wird. Und Katakana welche genutzt wird um fremdsprachliche Worte darzustellen. Also wenn zum Beispiel ein englisches Wort in einen japanischen Satz mit unterbringen möchte weil es schwer übersetzbar ist. (Hierzulande würde man sowas Denglisch nennen 🙂 )

Und was nun machen? Ab hier muss man sich „zurechtfinden in der seltsamschen Schrift“? Wäre ein gigantisches Handycap so etwas. Johannes hat mich da auf etwas nettes aufmerskam gemach. Google’s Chrome hat eine wirklich solide automatische Übersetzung. Sobald man auf eine japansiche Website kommt, kommt oben unter der Statuszeile so eine Meldung

Und damit wird beispielsweise sehr schnell eine japanische Shopping Seite

fast genau so gut lesbar und verständlich wie eine deutsche Shopping Seite

Nun ja. Nicht ganz 100% aber für mich persönlich absolut ausreichend. Und mit oben beschriebenem Hintergrundwissen und dieser kleinen handwerklichen Abkürzung wird SEO in Japan für jeden fast schon sehr einfach und zugänglich 😉

Jemand hier aus dem Leserkreis schon mal andere oder ähnliche Erfahrungen gemacht mit Suchmaschinenoptimierung in Japan / für japanische Sprache?

  1. 6. Februar 2011, 14:16 | #1

    Die Vergleichszahlen scheinen mir für eine Bewertung des Suchmaschinenanteiles unbrauchbar. Ich glaube die Situation ist deutlich ausgewogener als die Zahlen zeigen. Yahoo profitiert ja davon ein Portal zu sein, während Google stark auf Suche fokusiert.

  2. 6. Februar 2011, 14:47 | #2

    Interessant finde ich auch immer die Zahlen von StatCounter: http://gs.statcounter.com/#search_engine-JP-monthly-201001-201101 – danach liegt Google vorne

  3. 6. Februar 2011, 14:56 | #3

    Die Stichprobengröße von StatCounter ist in einigen Ländern natürlich auch überschaubar: http://gs.statcounter.com/StatCounterGlobalStatsMay10_SampleSizeCountryBreakdown.csv – schwer zu beurteilen wie repräsentativ die Daten sind.

  4. 6. Februar 2011, 18:00 | #4

    Solider Beitrag. Gute Arbeit. Hast jmd noch Input in Bezug auf Preismodelle im Affiliate-eCommerce-Bereich? Eher cpo oder eher cpc oder Hybrid (wie macht es rakuten)? Wie funzt der Affiliate-Markt in JP? thx

  5. 6. Februar 2011, 18:56 | #5

    @Hanns
    Die Statcounter-Zahlen sind in diesem Fall Müll. 2009 war Yahoo Japan noch ein Stück vor Google: ComScore

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